Die Brauausrüstung: Der große Brauequipment-Guide für deine Heimbrauerei

Lesezeit: ca. 9 Minuten.

Sicher fragst du dich, wie du angesichts des riesigen Angebots an Brauausrüstung und Systemen zum Bierbrauen die richtige Wahl triffst?

Genau das war der Grund, der mich vom Brauen abgehalten hat. Da ich in meiner kleinen Küche nicht noch mehr große Gerätschaften wollte, habe ich Stunden bei der Recherche und Auswahl der passenden Teile für meine Brauanlage verbracht. Und zugegeben: Es gibt Schöneres. Ab und zu fehlen die richtigen Dichtungen, Teile passen nicht zusammen und erst später habe ich gemerkt, dass es deutlich einfacher geht.

Das will ich dir ersparen. In diesem Blog-Artikel zeige ich dir, welches Equipment ich beim Hobbybrauen verwende. Es ist perfekt aufeinander abgestimmt, um 20 bis 22 Liter Bier zu brauen.

Maischen

Ausrüstung zum Maischen
Brauausrüstung zum Maischen

Braukessel

Der Braukessel ist das A und O beim Brauen und Mittelpunkt deiner Brauausrüstung. Ich verwende als Grundlage einen Einkochautomaten, der normalerweise für die Herstellung von Marmelade oder zum Einkochen verwendet wird.

Achte unbedingt darauf, dass der Einkocher aus Edelstahl ist. Edelstahl ist nicht nur geschmacksneutral, sondern lässt sich deutlich einfacher reinigen. Eine Mindestleistung von 1800 W ist ein absolutes Muss sowie die Funktion zum „Entsaften“, also die Möglichkeit, dass der Einkochautomat das Heizelement nicht abschaltet.

Einige Kocher haben neben der Temperatureinstellung eine Timer-Funktion. Beide sind meistens sehr ungenau und ich empfehle dir, dich nicht darauf zu verlassen (schnell hatte ich einen Unterschied von 10 °C!). Vertraue lieber einem zusätzlichen Thermometer. Zum Messen der Zeit starte den Timer an deinem Smartphone, sobald die Temperatur erreicht ist.

Der Nachgussheizer

Der Nachgussheizer kann auch ein Einkocher sein, benötigt aber in der Regel deutlich weniger Volumen und Leistung, da du das Wasser hier nicht zum Kochen bringen musst. Wenn du keinen großen Kochtopf hast (ca. 15 Liter) empfehle ich dir einen einfachen Glühweinkocher mit gleichem Volumen.

Kugelhähne aus Edelstahl

Sowohl für den Braukessel als auch den Nachgussheizer solltest du Hähne aus Edelstahl verwenden. Um bis zu 22 Liter Bier zu brauen, reichen Hähne mit einem Anschluss von 1/2 Zoll (Hinweis: Der Anschluss am Hahnauslass ist 3/4 Zoll groß!). Damit du diese wasserdicht am Braukessel oder Nachgussheizer anschließen kannst, empfehle ich dir ein Reduzierstück (Muffennippel IG 1/2 auf AG 3/8 Zoll). Dadurch sitzt die Dichtung gut an der Außenseite des Kessels bzw. des Heizers und sorgt dafür, dass die Würze im Kessel bleibt. Ein ausführliches Tutorial findest du in meinem Beitrag Löcher bohren in 5 Schritten für Kugelhähne, Sensoren und der wasserdichte Verbau.

Brauausrüstung am Braukessel anschliessen
Brauausrüstung am Braukessel anschliessen

Rührwerk

Ein Rührwerk erleichtert dir einiges an Muskelkraft, vor allem wenn das Einmaischen mehrere Stunden dauert.

Ich bin gleich auf das Kit von MattMill für Einkocher übergegangen, dass ich mittlerweile seit vier Jahren im Einsatz habe. Es ist komplett aus Edelstahl, passt perfekt zum Einkocher und hat zwei Geschwindigkeitsstufen.

Link zu meinem Rühwerk:

Brausteuerung

Der letzte Schritt beim Ausbau deiner Brauanlage ist die Brausteuerung. Ich benutze eine von Inkbird. Ihr Vorteil:  alle Rasttemperaturen und Zeiten können programmiert werden und der Timer jeder Rastzeit startet erst, wenn die Rasttemperatur erreicht ist. Den Fühler könnt ihr entweder direkt in den Kessel hängen (Achtung, falls ihr ein Rührwerk habt) oder mittels einer Eintauchhülse verbauen. In meinem Beitrag zum Inkbird erfährst du wie du diesen verwenden kannst und optimal einstellst.

Link zur Brausteuerung:

Läutern

Zum Läutern verwende ich die Läuterhexe von MattMill. Diese Edelstahlspirale wird kreisförmig in den Braukessel gelegt und direkt am Auslaufhahn angeschlossen. Wenn du mit dem Einmaischen fertig bist, musst du nur kurz warten, bis sich die Maische abgesetzt hat und schon kannst du mit dem Läutern beginnen. Das Umfüllen in einen extra Läuterbottich entfällt.

Link zur Läuterhexe:

Kühlung und Gärung

Ausrüstung zum Kühlen und Gären
Brauausrüstung zum Kühlen und Gären

Gegenstromkühler

Nach dem Hopfenkochen musst du die Würze schnellst möglichst auf Anstelltemperatur der Hefe (je nach Sorte zwischen 5 °C und 25 °C) bringen. Entweder kühlst du die Würze mit einem Würzekühler aus Edelstahl oder einem Gegenstromkühler auf die gewünschte Temperatur. Ich habe mich für einen Plattengegenstromkühler mit 30 Platten entschieden. Sein Vorteil: er kühlt sehr schnell und ist recht kompakt. Leider ist er sehr schwer zu reinigen (unbedingt die Läuterhexe verwenden!).

Da ich keine Pumpe verwende, befindet sich der Plattenkühler auf Höhe zwischen Braukessel und Gärtank (die heiße Würze fließt auf dem Weg in den Gärtank durch den Plattenkühler). Da sich hier ein Unterdruck bilden kann, benötigst du zusätzlich zum Plattenkühler ein T-Stück zum Entlüften, siehe Bild.

Brauausrüstung Entlüftung Plattenkühler
Entlüftung Plattenkühler

Würzekühler:

Plattenkühler-Setup:

Gärtank

Am Anfang habe ich mir einen einfachen Gärtank aus Kunststoff zugelegt. Dieser war preiswert, durch die kleine Öffnung jedoch schwer zu reinigen Mit der Zeit hat sich dann der Hopfen und Hefegeruch festgesetzt.

Schlussendlich bin ich auf einen Edelstahltank umgestiegen. Dieser ist zwar teurer, dafür super zu reinigen, langlebiger und nimmt keine Gerüche / Geschmäcker an. Mein Gärtank der Firma Ss Brewtech hat zudem einen variablen Hahn, um das Bier genau oberhalb der Hefe abzulassen.

Für die Gärtanks von Ss Brewtech gibt es geniales Zubehör: Die Temperatursteuerung zum Kühlen und / oder Heizen. Das Kit steht bei mir noch auf der Wunschliste für meine Brauausrüstung. Sobald es da ist, wird es ein Review geben!

Tipp: Bei den Gärtanks benötigt man eigentlich noch einen passenden Gärspund*. Mein Workaround: Einfach einen Schlauch in ein mit Wasser gefülltes Glas hängen. Dazu benötigst du nur einen passenden Gummistopfen.

Abfüllung & Reifung

Brauausrüstung zur Abfüllung

Flaschen

Wenn du das Bier in Flaschen abfüllen möchtest, hast du zwei Möglichkeiten:

  1. Du kaufst dir “ein paar” Flaschen Bier und trinkst diese aus (aber bitte dann aus dem Glas trinken) oder
  2. Du kaufst dir deine eigenen Flaschen.

Da du für die 20 Liter ca. 40 Flaschen (á 0,5 Liter), bzw. über 60 (á 0,33 Liter) kommst du vermutlich um den 2. Punkt nicht herum.

Hauptsächlich verwende ich eigene Bügel-Flaschen, da ich immer weiß wann und wie ich diese gereinigt und aufbewahrt habe und damit weniger Müll erzeugen als mit Kronkorken-Flaschen.

Kronkorken und Kronkorken-Zange

Solltest du dich für Kronkorken-Flaschen entscheiden, rate ich dir zu einer Kronkorken-Zange und neuen Kronkorken.

Flaschenspüler

Ein Zubehör, das ich in meiner Brauausrüstung nicht mehr missen möchte, ist der Flaschenspüler. Er wird an den Wasserhahn angeschlossen und sorgt dafür, dass die Flaschen gründlich ausgespült werden. Mittlerweile gibt es sogar Einsätze für den Geschirrspüler – leider habe ich hier noch keine Erfahrungen, aber die Einsätze stehen schon auf der Wunschliste.

Abtropfständer

Die Flaschen werden vor dem Befüllen immer gut gereinigt, um die Gefahr von Infektionen zu vermeiden. Gerade am Ende der Bierherstellung ist sauberes Arbeiten immens wichtig Damit die Flaschen nach der Reinigung trocknen, solltest du dir einen Abtropfständer zulegen. So fließt die Flüssigkeit gut aus den Flaschen, ohne die Küche zu fluten und du sparst dir eine Menge Platz.

Abfüllröhrchen

Um das Bier in Flaschen zu füllen, empfehle ich dir die Verwendung eines Abfüllröhrchens. Zum einen reduziert es das Eindringen von Sauerstoff beim Einfüllen. Zum anderen geht es deutlich schneller und einfacher, denn das Abfüllröhrchen hat unten ein kleines Ventil, das erst geöffnet wird, wenn du es gegen den Flaschenboden drückst.

Flaschenmanometer

Um bei der Nachgärung zu wissen wie stark dein Bier bereits karbonisiert ist, empfehle ich dir ein Flaschenmanometer zu verwenden. Dieses zeigt dir an, wie viel Druck sich durch die Gärung bereits in der Flasche aufgebaut hat. Die Karbonisierung berechnest du mit der Lagertemperatur und dem Flascheninnendruck.

Ein Manometer für eine Flasche bei jeden Brauvorgang reicht völlig aus.

Messgeräte

Thermometer

Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten – je nach Verwendung:

Analoges Thermometer aus Glas

Angefangen habe ich mit einem einfachen Thermometer, dass ich mit Gummidichtungen am Rührspatel befestigt habe. Damit konnte ich rühren und gleichzeitig die Temperatur im Auge behalten. Obwohl ich inzwischen auf ein Digitales umgestiegen bin, verwende ich es immer noch, z. B. beim Messen des Nachgusses, des Wassers zum Re-Hydrieren der Hefe sowie zum Messen der Raumtemperatur bei der Nachgärung.  Der Kauf eines Glasthermometers lohnt sich auf jeden Fall und sollte in deiner Brauausrüstung nicht fehlen!

Analoges Thermometer für den Braukessel

Ganz praktisch ist ein festes Thermometer direkt am Kessel, um beim Maischen und Hopfenkochen die Temperatur direkt abzulesen. Ich empfehle dir ein Einschraubthermometer aus Edelstahl.

Digitales Thermometer

Als Alternative: Digitalthermometer mit Kabelfühler, die du in den Kessel hängst Achte darauf, dass diese wasserfest sind.

Sobald du ein Rührwerk verwendest, benötigst du ein Thermometer, das mittels einer Tauchhülse fest im Braukessel positioniert ist, damit sich das Kabel nicht im Rührwerk verfängt.

Refraktometer und Bierspindel

Zum Messen der Stammwürze kannst du entweder ein Refraktometer oder eine Bierspindel verwenden. Ich nutze ein Refraktometer, da es deutlich weniger Flüssigkeit zum Bestimmen der Stammwürze verwendet. Allerdings benötigst du dazu ein Umrechnungstool.

Interessante Artikel:

Falls du dich näher in die Verwendung von Refraktometer und Bierspindel einlesen möchtest, findest du hier meinen Blog-Beitrag “Bierspindel oder Refraktometer”.

Waage

Ich empfehle dir zwei unterschiedliche Waagen:

  1. Eine Haushaltswaage und
  2. Eine Feinwaage, die auch ein hundertstel Gramm (0,01 g) messen kann; zum Abwiegen von Hopfen und Zucker für die Gärung

Die Unterteilung ist wichtig, denn gerade beim Abwiegen des Zuckers kommt es auf das zehntel Gramm an.

Braujod

Mit Braujod kannst du feststellen, ob die Stärke beim Maischen vollständig verzuckert wurde. Konkret: Ob du beim Maischen alles richtig gemacht hast.  Durch die Färbung, die sich durch das Mischen von ein paar Esslöffel Maische und ein paar Tropen Braujod ergibt, erkennst du, ob alles verzuckert wurde.

Messbecher

Solltest du keinen Messbecher zuhause haben wird’s jetzt Zeit. Ich empfehle dir eine Größe zwischen 1 und 2 Litern.

Reinigung

Für die Reinigung meiner Edelstahl Geräte (Braukessel und Gärtank) verwende ich haushaltsübliches Geschirrspülpulver und spüle die Geräte nach der Reinigung mit klarem Wasser nach. Flaschen und alles was mit dem Abfüllen zu tun hat, behandle ich mit ChemiPro OXI. Achtet bei beiden unbedingt auf die richtige Dosierung.

Zum Desinfizieren der Brauausrüstung beim Brauen verwende ich ein Desinfektionsspray, dass extra für die Brau- und Lebensmittelindustrie geeignet und nicht nachgespült werden muss.

Weiteres Brauzubehör

Dichtungen & Teflonband

Braucht man einfach immer, damit deine Brauanlage beim Brauen nicht leckt. Ich empfehle euch, immer die passenden Dichtungen für eure Brauausrüstung und eine Rolle Teflonband zuhause zu haben. Denn aus diesem Grund nicht Brauen zu können, ist richtig ärgerlich!

Schläuche & Anschlüsse

Kaufe dir am Anfang am besten ca. 2 bis 3 m Silikonschlauch mit einem Durchmesser von 10 mm. Das sollte fürs Erste reichen, um alles anzuschließen. Wenn du – wie empfohlen alle Hähne auf 3/4 Zoll ausgelegt hast – ist es sehr einfach die passende Schlauchtülle dazu zu kaufen.

Wasserhahn Adapter

Ich empfehle dir, einen Adapter für deinen Wasserhahn zu kaufen. Damit kannst du deine Brauausrüstung mittels der 3/4 Zoll Schlauchtüllen direkt am Leitungswasser anschließen.

Du ersetzt den Perlator am Wasserhahn durch den Adapter. Achte darauf, dass der Perlator ein metrisches Gewinde hat. Hier findest du ein Beispiel für einen solchen Adapter bei Amazon*.

Brau-Eimer

Wenn du keinen extra Läuterbottich oder Gäreimer aus Kunststoff hast, empfehle ich dir einen zusätzlichen Eimer. In diesem bewahrst du die Flüssigkeit zwischen dem Läutern auf, bevor es zum Hopfenkochen geht. Da die Würze nach dem Läutern noch sehr heiß ist, achte unbedingt darauf, dass der Eimer aus hitzebeständigem und lebensmittelechtem Material besteht. Solltest du dich für einen Eimer aus Kunststoff entscheiden achte darauf, dass er aus PP-HD ist.

Kunststoffeimer kannst du auch als Gäreimer verwenden, wenn du einen Hahn einbaust (siehe oben) und ein Loch in den Deckel für den Gärspund bohrst.

Werkzeug

Zangen

Werkzeug, das bei deiner Brauausrüstung nicht fehlen sollte, sind Zangen: Eine Rohrzange sowie einen Zangenschlüssel. Mit diesen lassen sich die Hähne fest genug anziehen und gegebenenfalls feste Verbindungen auch wieder lösen.

Stufenbohrer

Wenn du selber Löcher in den Braukessel oder den Gäreimer bohren möchtest, habe ich sehr gute Erfahrungen mit einem Stufenbohrer gemacht. Diese gibt es auch in Zoll-Größen. Wenn du einen metrischen verwendest, achte darauf, dass er eine Stufe mit 17 mm hat. Das ist das ideale Durchmesser für 3/8 Zoll Anschlüsse. Zum Bohren verwende ich einen Akku-Schlag-Schrauber.

Fazit

Zugegeben das war jetzt eine Menge auf einmal. Gerne kannst du auch Schritt für Schritt deine Brauausrüstung stetig erweitern. Achte dabei lieber auf eine gute Qualität. Das spart dir eine Menge Ärger, Zeit und am Ende auch Geld.

Wenn du Fragen zur Brauausrüstung hast oder etwas fehlt, freue ich mich über deine Kommentare.


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